Zahlen und Fakten

ÜBERSETZUNG: Dr. J.-M. Paschoud und Frau R. Binder-Gresly.



URSPRUNG: Spanien (Balearen).

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES: 26. 05. 1982.

VERWENDUNG: Der Podenco Ibicenco wird hauptsächlich zur Kaninchenjagd ohne Flinte, bei Tag und bei Nacht verwendet. Dank seines überaus feinen Geruchsinnes, dessen er sich zusammen mit dem Gehör mehr bedient als der Sicht, spürt und jagt er die Kaninchen auch an sehr dicht bewachsenen Stellen mit Leichtigkeit auf. Flink und schlau wie er ist, fängt er seine Beute rasch, besonders wenn er zusammen mit anderen Hunden jagt. Wenn ein Hund eine Beute anzeigt, umringen ihn alle anderen Hunde in einem gewissen Abstand und stehen auf der Lauer; sie bellen nur dann, wenn sie die Beute sehen oder hören und wenn sie diese umstellt haben. Beim Anzeigen und beim Einfangen der Beute wedeln alle Hunde heftig, lassen aber leicht von der Anzeigeposition ab. Der Podenco Ibicenco wird auch zur Jagd auf Hasen und Grosswild eingesetzt. Er apportiert die Beute gut. Von gewissen Ausnahmen abgesehen, werden für die Zusammensetzung der Meute nur Hündinnen verwendet mit höchstens einem Rüden, da letztere beim Jagen nicht zusammen- arbeiten und streitsüchtig sind. Wenn eine Meute einige Tausend Kaninchen eingefangen hat, kann es eigentümlicherweise vorkommen, dass einige Hunde derselben Meute nicht mehr jagen wollen, bevor ihnen nicht eine längere Ruhepause gewährt wird. Auf dieses Phänomen bezieht sich der spanische Ausdruck "enconillarse" (sich zur Ruhe legen).

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp. Sektion 7 Urtyphunde zur jagdlichen Verwendung.
Ohne Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Diese Rasse stammt aus den Baleareninseln Majorka, Ibiza, Minorka und Formentera, wo sie unter dem ursprünglichen Namen "Ca Eivissec" bekannt ist.
Sie ist auch in Katalonien, um Valencia, im Roussillon und in der Provence stark verbreitet, wo sie die Namen Mallorqui, Xarnelo, Mayorquais, Charnegue, Charnegui und Balearen-Hund trägt. Wahrscheinlich sind diese Hunde durch die Phönizier, die Karthaginienser und eventuell auch durch die Römer auf diese Inseln gebracht worden. Es handelt sich um einen typisch primitiven und robusten Vertreter einer der ältesten noch erhaltenen Rassen. Abbildungen dieser Hunde finden sich in Gräbern von Pharaonen und auf Museumsgegenständen, womit die Existenz dieser Rasse bereits im Jahre 3400 v.Chr. nachgewiesen ist.

WICHTIGE PROPORTION: Der Abstand von der Spitze des Fangs bis zu den Augen entspricht demjenigen von den Augen bis zum Hinterhauptbein.

KOPF: Gesamthaft betrachtet hat der lange, schmale Kopf die Form eines nahe an seiner Basis abgeschnittenen Kegels; ausgesprochen trocken, eher klein im Verhältnis zum Körper.

OBERKOPF:
Schädel: Lang und flach (dolichocephal), Hinterhauptsbeinhöcker vorstehend, Stirne schmal und flach.
Stop: Wenig ausgeprägt.

GESICHTSSCHÄDEL:
Nasenschwamm: Fleischfarben; Nasenlöcher offen; Nasenrücken leicht gewölbt.
Fang: Nasenrücken und Nase über den Unterkiefer hinausragend; schmal, lang und entsprechend der Farbe des Haarkleides fleischfarben.
Lefzen: Dünn, eng anliegend, fleischfarben.
Kiefer / Zähne: Perfekter Gebissschluss, Scherengebiss; weiss, regelmässig angeordnet.
Augen: Schräg, klein, von einer hellen Bernsteinfarbe, die an die Farbe einer Karamelle erinnert; die Bernsteinfarbe kann entsprechend der Farbe des Haarkleides mehr oder weniger intensiv sein. Ohne sehr edel zu wirken, verrät der Blick Intelligenz, aber auch Ängstlichkeit und Misstrauen.
Ohren: Immer steif, sehr beweglich; nach vorne, seitlich horizontal oder nach hinten gerichtet, aufrecht getragen, wenn der Hund erregt ist; das Zentrum des Ohransatzes befindet sich auf der Höhe der Augen; die Form ist die eines verlängerten Rhomboids, welches in einem Drittel seiner langen Diagonale abgeschnitten ist. Sie sind fein, ohne Behaarung an der Innenseite der Ohrmuschel; von mittlerer, nicht übertriebener Grösse.

HALS: Sehr trocken, sowohl in seinem oberen wie in seinem unteren Teil. Seine Länge beträgt ein Viertel der Länge des Körpers; leicht gewölbt, muskulös. Die Haut ist straff, glatt und ohne Wamme. Normalerweise ist das Haar im Bereich des Ansatzes am Körper länger und dichter; dies ist besonders auffällig bei der glatthaarigen Varietät.

KÖRPER: Gesamthaft betrachtet ist der Körper symmetrisch, leicht konvex und von mittleren ebenmässigen Proportionen, kompakt und etwas länger als hoch, ohne dass diese Differenz exakt festgelegt wäre.
Widerrist: Gut abgesetzt, hoch, trocken und lang.
Rücken: Gerade, lang und biegsam. Die Muskulatur ist stark, jedoch flach.
Lenden: Gewölbt, von mittlerer Breite, kräftig und fest.
Kruppe: Stark abfallend, mit sichtbarem Knochenbau; sie verfügt über eine sehr kräftige und harte Muskulatur.
Brust: Tief, schmal und lang; sie reicht aber nicht bis zu den Ellenbogen. Die Vorbrust ist spitz und stark vorstehend. Die Rippen sind flach.
Untere Profillinie und Bauch: Aufgezogen, aber nicht zu stark.

RUTE: Tief angesetzt, gegen das Rutenende hin rundum einige etwas längere und gröbere, grannenartig abstehende Haare aufweisend; lang. Wenn man die Rute zwischen den Beinen durchzieht, soll sie bis zur Wirbelsäule reichen; etwas dicker am Ansatz, sich allmählich zur Spitze hin verjüngend. In der Ruhe ist sie natürlich hängend; in der Bewegung wird sie mehr oder weniger eng gebogen sichelförmig getragen; es wird bevorzugt, wenn sie nicht aufrecht oder übertrieben eingerollt über dem Rücken getragen wird.

GLIEDMASSEN
VORDERHAND: Senkrecht, symmetrisch; von vorne gesehen ist die Stellung der Vorderläufe sehr eng; insgesamt stämmig, mit langen Gliedmassen, die den Eindruck eines schlanken, flinken jedoch kräftigen Tieres vermitteln.
Schultern: Schulterblatt schräg, kräftig, frei beweglich.
Oberarm: Sehr lang, gerade, stark und sehr eng gestellt.
Ellenbogen: Breit und vom Körper gut abgesetzt, parallel zur Medianebene des Körpers, niemals lose.
Unterarm: Gegen die Vorderfusswurzel zu breiter werdend.
Vordermittelfuss: Kräftig, fest, breit und gut aufrecht.
HINTERHAND:
Allgemeines: Senkrecht, mit langen, starken, flachen und trockenen Muskeln.
Sprunggelenk: Gut gewinkelt, breit, tief angesetzt, gut senkrecht und weder nach aussen noch nach innen gedreht.
PFOTEN: Nahezu Hasenpfoten; Zehen lang und eng aneinander liegend; Zehenzwischenräume gut behaart; Krallen sehr kräftig und normalerweise von weisser Farbe, manchmal der Farbe des Haarkleides entsprechend; Fussballen sehr hart.

GANGWERK: Die bevorzugte Gangart ist ein schwebender Trab; der Galopp ist sehr schnell und vermittelt den Eindruck einer grossen Behändigkeit.

HAUT: Straff, eng am Körper anliegend; sie ist rötlich pigmentiert, kann aber dort, wo das Haarkleid anders gefärbt ist, verschiedenfarbig sein.



HAARKLEID
HAAR: Glatthaar, Rauhhaar oder Langhaar.
Glatthaar: Soll nicht seidig, jedoch kräftig und glänzend sein.
Rauhhaar: Soll hart und sehr dicht sein; etwas kürzer auf dem Kopf und an den Ohren, etwas länger an der Hinterseite der Keulen und an der Unterseite der Rute; ein Bart ist sehr geschätzt; das Langhaar ist weicher und soll mindestens eine Länge von 5 cm aufweisen; der Kopf ist sehr dicht behaart.
FARBE: Bevorzugt wird weiss und rot, oder einfarbig weiss oder rot; falbfarbene Hunde sind zugelassen, sofern es sich um ausserordentlich gute Exemplare handelt, wobei jedoch bei Glatthaar diese Farbe nicht zulässig ist.

GRÖSSE:
Widerristhöhe: Rüden: 66 - 72 cm, Hündinnen: 60 - 67 cm.
Ohne übertriebene Strenge darf man Hunde, die dem Standardmass nahekommen, akzeptieren, sofern diese gut proportioniert sind und ästhetisch aussehen.

FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

SCHWERE FEHLER:
Kopf kurz und breit.
Stop stark ausgeprägt.
Fehlen eines Prämolaren (PM).
Hängeohren.
Rippenkorb tonnenförmig.
Ellenbogen nach aussen gedreht.
Kuhhessige Sprunggelenke.
Nach aussen gedrehte Pfoten.
Kreuzen der Pfoten und der Sprunggelenke in der Bewegung.

AUSSCHLIESSENDE FEHLER:
Schädel in Form einer Treppe (Ebene des Schädels im Vergleich zum Nasenrücken zu hoch).
Nasenschwamm: braune Pigmentierung oder schwarze Flecken.
Jeder andere Gebissschluss als ein Scherengebiss.
Augenlider und Lefzen : rot-braun.
Anzeichen einer Kreuzung mit einem Galgo oder einem anderen Windhund, d.h.:
Gefaltete Ohren, Dunkle Augen. Kruppe breit. Vorbrust wenig ausgeprägt. Vorderläufe weit auseinander.
Oberschenkel rundlich und breit, mit sichtbar vorstehenden Venen.

N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.